Textil Sippel

Textil Sippel

Martin Sippel in seinem Laden 1926

Die Firmengeschichte von „Fa. Martin Sippel“ Schenklengsfeld: erzählt von Dorit Vogt

Martin Sippel, gelernter Einzelhandelskaufmann, gründet 1925 ein Einzelhandelsgeschäft im eigenen Wohngebäude. Genutzt wird zu dieser Zeit ein Wohnraum des Stammhauses als kleiner „Laden“. 1926 wird Sohn Heinrich geboren und zwei Räume des Hauses (Verkaufsraum und ein Lagerraum) werden als Kolonialwarenladen mit gemischtem Sortiment entsprechend eingerichtet. Von außen führt eine Treppe in das 20qm große Lädchen.

Zunächst werden in erster Linie Lebensmittel angeboten, kurz später auch Stoff e und Textilien. Martins Frau, Minna Sippel, bedient hier mit Ihrem Mann die Kundschaft über die Theke hinweg, da es noch keine Selbstbedienung gibt. Was gekühlt werden muss, wird im Keller gelagert. Die meisten Lebensmittel werden noch lose gewogen und verpackt. Stoff e werden vom Ballen abgemessen. Weil ihr Mann und ihr Sohn während des zweiten Weltkrieges eingezogen werden, führt Minna Sippel in dieser Zeit den Laden ganz allein.

Die Kunden bezahlen die Waren mit Lebensmittelmarken, deren Abrechnung sie dann durchführen muss.

Nachdem Sohn Heinrich Sippel eine kaufmännische Lehre in Bad Hersfeld absolviert hat, ist er ab 1948 bei seinem Vater Martin angestellt. Als junger Familienvater (zwei Söhne kommen kurz nacheinander zur Welt) muss Heinrich Sippel in der schlechten Zeit nach dem Krieg schon bald mit einem PKW voll Waren von Haus zu Haus reisen, um den Familienunterhalt zu sichern und neue Kunden zu werben. Manch ein Mädchen bekommt auf diese Weise nach und nach ihre damals noch übliche Aussteuer (Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken usw.) direkt ins Haus gebracht.

Ab 1951 ist Heinrich Sippel Mitinhaber. Der Textilbereich wird vom Lebensmittelbereich getrennt und in angemieteten Räumen im Dorfzentrum von Heinrich und Ehefrau Sigrid Sippel weiterbetrieben. Auch hier hat man nur eine kleine Fläche mit geringer Ladenausstattung zur Verfügung, so dass viele Artikel direkt aus dem Karton verkauft werden müssen. Die Eltern Martin und Minna Sippel betreiben das Lebensmittelgeschäft im Stammhaus alleine weiter. 1961 wird an diesem ein ca. 60qm großer Laden angebaut, in dem nun der Kunde in Selbstbedienung einkaufen kann. Die Edeka liefert von nun an alles was vom Kunden verlangt wird.

1961 wird für den Textilbereich im Dorfzentrum, Landecker Str. 8a, für 20 Jahre ein größeres Ladenlokal gepachtet. Man ist selig, dass man nun dem Kunden ein größeres Sortiment an Textilien und Bekleidung bieten kann. Was man sich heute kaum noch vorstellen kann:
Hier können die Kunden die zur damaligen Zeit noch so teuren Nylon-Strümpfe zur Reparatur bringen, wenn sie Laufmaschen haben. Mit einem speziellen Repassiergerät fängt Sigrid Sippel abends nach Ladenschluss in mühseliger Arbeit die Laufmaschen auf. Ruhige Hand und gute Augen sind von Nöten. Abgerechnet wird nach Anzahl der Laufmaschen in Pfennigbeträgen. Mittlerweile sind zu den zwei Söhnen noch zwei Töchter hinzugekommen. In 1973 beginnt Tochter Dorit Sippel eine kaufmännische Lehre im elterlichen Textilbetrieb, die sie 1975 im Bürobereich bei der Firma Jean Sauer in Bad Hersfeld erfolgreich abschließt, um danach im eigenen Betrieb weiterzuarbeiten.

Nach der Übernahme des Lebensmittelladens von seinen Eltern erweitert Heinrich Sippel 1974 den EDEKA-Laden im Stammhaus auf eine Verkaufsfläche von 200qm. Er betreut nun den Lebensmittelbereich und wird von 4 Mitarbeiterinnen dabei unterstützt. Seine Frau Sigrid Sippel leitet das Textilgeschäft im Ortskern. Außer der Tochter sind noch zwei weitere Fachkräfte dort angestellt. Mittlerweile gehört man dem Einkaufsverband HADEKA an. Der Einkauf auf den Messen wird gemeinsam von Mutter und Tochter geplant und ausgeführt. Im Sortiment befindet sich angefangen von Kurzwaren und Wolle, Damen-, Herren-, Kinderkleidung, Haus und Heimtextilien so ziemlich alles was hier im Ort verlangt wird.

Nach Ablauf des Pachtvertrages für das Textilgeschäft wird Ende 1980 der Lebensmittelbereich aufgelöst und der Textil- und Modebereich wird nun ab 1981 auf der 200 qm großen Fläche im Stammhaus weitergeführt. Hier kann man nun das Sortiment noch mehr in Richtung Mode und Bekleidung ausbauen. Als die ersten Heimcomputer aufkommen wird mittels „selbstgestrickter“ Basicprogramme ein erstes bezahlbares Warenwirtschaftssystem von Sigrid Sippel eingeführt, das auch eine ganze Weile seinen Zweck erfüllt.

1987 wird der Betrieb an die Tochter Dorit (Vogt, geb. Sippel) und somit an die nunmehr dritte Generation übergeben und bis zur Geschäftsaufgabe im Dezember 2004 weitergeführt.