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Die Schenklengsfelder Synagoge

  • Die alte und die neue Synagoge

Wo immer eine kleine jüdische Gemeinde existieren konnte, hatte sie einen Versammlungsraum nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch als soziales Zentrum im weitesten Sinne. Diese Synagogenräume oder -gebäude, von den Juden in jener Zeit "die Schul" genannt, unterschieden sich in den früheren Jahrhunderten kaum von den Wohnhäusern des Ortes und lagen meistens abseits der Hauptstraßen. Die allgemein unsicheren Lebensverhältnisse der Juden und die speziellen Gesetze und Verwaltungsvorschriften der damaligen Zeit erlaubten nämlich den jüdischen Gemeinden nicht, ihre Synagoge im Ortsbild besonders hervorzuheben. In den kleineren, oftmals ärmeren dörflichen Gemeinden befanden sich die Synagogenräume häufig in Hintergebäuden von Häusern. Erst mit der Judenemanzipation des 19. Jahrhunderts konnten größere und architektonisch eigenständige Synagogengebäude entstehen.

Um 1820 besaß die jüdische Gemeinde Schenklengsfeld eine kleine Synagoge als Anbau hinter dem Haus des Raphael Israel Weinberg. Größe und Aussehen des Gebäudes gehen aus mehreren Berichten hervor, die in den Jahren 1820 bis 1844 erstellt wurden. So heißt es 1821 u.a., "daß die Synagoge der Judenschaft zu Schenklengsfeld geräumig genug ist, um sämtliche dazu gehörigeGemeindemitglieder aufzunehmen...". Um diese Zeit hatte nämlich Hirsch Meyer Plaut in seinem Hause eine Privat-Synagoge eingerichtet und mit mehreren Familien auch Gottesdienst gehalten, so dass sich namens der Gemeinde Mendel Löwenberg beim Amtmann von Milchling in Schenklengsfeld beschwerte. Zwar sei dem H. M. Plaut bei Strafe von 5 fl. anbefohlen, die Privat-Synagoge gänzlich eingehen zu lassen, doch bediene er sich ihrer nicht nur, sondern nehme auch andere bei sich auf "wodurch wir mehrentheils keinen Gottesdienst nach unserem Gesetz verrichten können, weil die Anzahl der Personen zu sehr verringert wird."
Für einen Gottesdienst sind 10 Männer über 13 Jahre erforderlich (=Minjan), und da die Gemeinde damals nur ca. 70 Mitglieder hatte, dürfte es gerade an Werktagen entsprechende Schwierigkeiten für die Anhaltung des Gottesdienstes gegeben haben. Dem Hirscg Meyer Plaut wurde deshalb von der Kurfürstlich Judenschaftlichen Kommission in Kassel, wo die Sache nun anhängig war, nur gestattet, in seinem Hause für sich und seine Kinder Betstunde zu halten, "da die allgemeine Synagoge alldort vorhanden ist, diese angelegte Privat-Synagoge durchaus nicht geduldet werden soll."

Wegen dieser Auseinandersetzung mit dem H. M. Plaut, dem die Gemeinde-Synagoge angeblich " zu feucht und ungesund" war, ließ Kreisrat Hartert im Februar 1822 vom Ingenieur Augener ein Gutachten anfertigen, das die Synagoge geneuer beschreibt: Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld stehe am Wohnhaus des Raphael Israel Weinberg und sei dessen Eigentum. Das Gebäude besitze acht Fenster (deren lage wird angegeben), "die alle geöffnet werden können, so dass die Synagoge Licht und Luft erhält". Die Fenster seien hoch angebracht, "so dass man ohne Hilfe einer Leiter oder eines Gerätes weder von innen heraus noch von außen hineinsehen kann".
Im Innern habe das Gebäude eine Höhe von 18 Fuß (ca. 5,10m). Der mit Steinplatten belegte Fußboden liege gut einen Fuß (ca. 30cm) über dem das Gebäude umgebende Terrain, im übrigen sei er durchaus trocken. Ebenso seien keine Spuren von Feuchtigkeit an den Wänden und an der Sockelmauer zu entdecken. Der Aufenthalt von mehreren Stunden in diesem Bau könne nicht schädlich für die Menschen sein. Abschließend stellte der Gutachter fest, dass es durch die hoch angebrachten Fenster etwas düster im Innern sei, was aber durch Erhöhung des Fußbodens um eineinhalb Fuß leicht behoben werden könne. Bei der hier beschriebenen Synagoge hat es sich also um einen Fachwerkbau auf hoher Sockelmauer gehandelt, der möglicherweise schon im 18. Jahrhundert errichtet wurde.

Offensichtlich war die Sache damit beigelegt, bis es ab 1827 zu einem längeren Streit um die Stände in der Synagoge kam. Die Plätze in der Synagoge waren nämlich - wie auch in den christlichen Kirchen - numeriert und mußten von Zeit zu zeit neu ersteigert werden. Wer es sich leisten konnte, kaufte einen Platz ganz in der Nähe der Thora und stellte dort seinen hölzernen Kasten als Betpult auf. Andererseits hatte die Synagoge eine wachsende Gemeinde aufzunehmen, so dass man dazu überging, an den Wänden die kleineren Hängeständchen anzubringen. Allerdings beharrten einige auf ihren angestammten Plätzen mit den breiten Kastenständern in der Nähe der Thora. Unter ihnen befanden sich der schon erwähnte Hirsch Meyer Plaut und der Eigentümer des Hauses, Moses Weinberg, die sich den Anordnungen des Synagogenältesten Markus Weinberg nicht fügen wollten. Erst unter Einschaltung des Kreisamtes in Hersfeld und des jüdischen Vorsteheramtes in Fulda konnte ein Vergleich erzielt werden. Zu dieser zeit (1829) verzeichnete die Synagoge immerhin schon 36 Männerplätze und 22 Frauenplätze, die jedoch nicht alle besetzt waren.

Alte Synagoge zu Schenklengsfeld nach einer Skizze von 1829 (Klick auf´s Bild)

Auf Dauer jedoch konnte die Synagoge den Anforderungen der ständig wachsenden Gemeinde nicht genügen, so dass im April 1843 der Synagogenälteste Juda Plaut den "schlechten Zustand" der Synagoge beklagte und an den Landrat in Hersfeld u.a. schrieb.

"So halte ich es für meine Pflicht, Kurfürstliches Kreisamt, meine Gründe, dass für hiesige israelitische Gemeinde eine neue Synagoge erbaut werde, untertänig und ehrerbietig vorzutragen.

1. Wenn bereits schon vor 10 - 15 Jahren die hiesige Synagoge für die hiesige Gemeinde nicht genug Raum darbot, so muss dieser Mangel gegenwärtig um so fühlbarer, drückender und unangenehmer sein, als sich die israelitische Gemeinde seit jener Zeit wenigstens um das Doppelte vermehrt hat. Auf dem Sabbate, wo die männlichen zu Hause anwesend erwachsenen israelitischen Gemeinde-Mitglieder dem Gottesdienste beiwohnen, stehen diese so gedrängt und dicht, dass sich der eine für den anderen kaum herumdrehen kann. Die israelitischen männlichen Schulkinder, welche dem Gottesdienste regelmäßig beiwohnen müssen, haben gar keinen Platz, sondern stellen sich hin, wo dieselben gerade ankommen können, und stehen hier noch so gedrängt, so dass ein die öffentliche Andacht höchst störendes Drängen und Stoßen ...stattfindet ...

2. Hierzu kommt noch, dass die Synagoge nach altem Stil kellerartig erbaut und in Folge hiervon dumpfig und ungesund ist ...

3. die hiesige Synagoge ausschließlich Eigentum des Moses Weinberg ist."

Mit dieser Zustandschilderung hatte der Gemeindeälteste offenbar den Landrat für einen Neubau gewonnen, denn die israelitische Gemeinde Schenklengsfeld wurde umgehend von ihm angewiesen, einen geeigneten Bauplatz ausfindig zu machen. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als schwierig, da die in Aussicht genommenen Bauplätze entweder recht ungünstig lagen oder aber zu teuer waren. Schließlich ließ Juda Plaut im Mai 1844 vom Physikus Dr. Häfling aus Friedewald ein Gutachten anfertigen, in dem der Arzt darlegte, dass er in dem Gebäude "dumpfen, kellerartigen, ammoniakalischen Geruch", "erblindete Fenster" und "überall Zugluft" festgestellt habe. Den Angaben nach seien hier gewöhnlich 54 Menschen zwei bis drei Stunden versammelt, während gewisser Feiertage oft auch den ganzen oder halben Tag. Im wesentlichen bestätigte dieser Berichtdie baulich schlechten und ungesunden Verhältnisse in der Synagoge. Hierauf lud Landrat Pfaff alle jüdischen Haushaltsvorstände auf das Kreisamt und eröffnete ihnen, "dass der Neubau einer Synagoge am zweckmäßigsten sei, vorausgesetzt, dass sich die Mittel dazu ohne allzu großen Beschwerden der einzelnen aufbringen ließen".

Die Baukosten einer neuen Synagoge waren selbstverständlich von der israelitischen Gemeinde alleine zu tragen, und eine schon früher angestellte Schätzung hatte einen Betrag von 700 - 800 Talern ergeben. Diese Summe erschien einigen Gemeindemitgliedern als nicht bezahlbar, so dass Landrat Pfaff im September 1844 ein Verzeichnis aller Gemeindemitglieder anforderte, aus dem die Befürworter bzw. Gegner des Neubaus ersichtlich sein sollten.

Zu den Gegnern einer neuen Synagoge an einem anderen Platz gehörte von Anfang an der Eigentümer der bisherigen Synagoge, Moses Weinberg, der bereits im Juni 1844 das Synagogengebäude vom Amtszimmermeister Walger hatte ausmessen lassen. Er schickte nun das Ergebnis der Vermessung an den Landrat mit dem Bemerken, dass die Synagoge in allen Teilen vorschriftsmäßig eingerichtet sei und, falls sie von einem anderen Physikus besichtigt werden würde, für tauglich erachtet werden müsse. Der mit dem weiteren Gutachten beauftragte Dr. Lins aus Hersfeld lieferte dann auch im August 1844 einen günstigen Bericht ab, in dem es u.a. heißt, "dass die Synagoge völlig hell ist und mit frischer, reiner Luft in beliebigem Grade versehen werden kann".

Auf weiteres Drängen hin ließ Moses Weinberg im November 1844 für den Bau einer größeren Synagoge anstelle der alten eine Zeichnung anfertigen und Kostenanschläge ermitteln, und zwar:

1. Maurerarbeiten für eine Fundamentmauer, von Adam Heß
2. Zimmerarbeiten von Zimmermeister Heinrich Walger
3. Schreiner- und Glaserarbeiten von Schreinermeister Johs. Gutberlet sen.
4. Weißbinder- und Dachdeckerarbeiten von Weißbindermeister Conrad Steinhauer

Insgesamt:


387 Taler
478 Taler
537 Taler
164 Taler

1566 Taler

 

Offensichtlich waren die Kosten für eine neue Synagoge nun doch zu hoch, so dass Moses Weinberg Anfang Dezember 1844 auf dem Landratsamt in Hersfeld erschien und zu Protokoll gab: "Ich bin bereit, meine Synagoge in einem solchen Maße zu vergrößern, dass darin genügend Platz für sämtliche Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Schenklengsfeld zur Verrichtung des Gebetes hergestellt wird". Die Kosten des Umbaus bezifferte er auf 300 Taler.

Moses Weinberg war Eisenhändler und der größte Steuerzahler der israelitischen Gemeinde. Möglicherweise fürchtete er um seinen Ruf als Förderer der Synagoge, wenn die Gemeinde nun an anderer Stelle eine neue Synagoge bauen würde. Ein eigener Neubau war ihm allerdings zu teuer, deshalb hatte er sich inzwischen für einen Erweiterungsbau entschlossen. Allerdings ließ er sich mit der Ausführung Zeit, denn im April 1845 baten die Synagogen-Ältesten den Landrat, er möge doch den Moses Weinberg ernstlich ermahnen und drängen, die Synagoge endlich zu bauen. Im Mai 1845 wurde Moses Weinberg auf das Landratsamt geladen, wo er in einer Niederschrift den baldigen Umbau seiner Synagoge versprach. Noch im selben Jahr ließ er den Erweiterungsbau an der Nordseite der Fachwerk-Synagoge ausführen und einrichten.

Die so vergrößerte Synagoge hat offenbar den Erfordernissen der Gemeinde für längere Zeit genügt. Erst 1876 - sieben Jahre nach dem Tod von Moses Weinberg - fasste die jüdische Gemeinde den Entschluß, eine neue, größere Synagoge zu errichten. Ein Baufonds für den Neubau wurde gegründet. Die Mitgliederzahl der Gemeinde hatte sich inzwischen auf über 150 erhöht, und die vorhandene Synagoge dürfte nicht nur zu klein gewesen sein. Der alte Fachwerkbau lag eingeengt zwischen Wohnhaus und Scheune der Familie Weinberg und war als Gotteshaus wohl nicht sehr ansehnlich. Mit einem größeren und stattlicheren Neubau konnte man zudem die seit 1870/71 erlangte Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerungsgruppe anschaulich demonstrieren.


Grundriss der Schenklengsfelder Synagoge von 1883 (Klick auf´s Bild)

Im Jahre 1882 erhielt der Hersfelder Architekt Ehrhardt den Auftrag, die notwendigen Bauunterlagen für einen Neubau aus Sandsteinen zu erstellen. Zuvor hatte die Witwe Beile Weinberg das für die Synagoge erforderliche Grundstück hinter ihrem Haus der jüdischen Gemeinde gerichtlich übereignet und außerdem 3.000 Mark zu den Baukosten gestiftet. Architekt Ehrhardt fertigte den Bauplan nach Beratung durch den Provinzial-Rabbiner Dr. Michael Cahn in Fulda, um den religiösen Vorschriften zu genügen. Im Januar 1883 legte er die Bauzeichnung mit einem Kostenvoranschlag dem Vorstand der jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld vor.

Mit dem Neubau stellte man sich auf ein weiteres Anwachsen der Gemeinde ein, wie die Erläuterungen des Archtekten zum Bauplan belegen:
"Die Gemeinde erfordert gegenwärtig 65 - 72 Männerplätze und circa 40 - 50 Frauenplätze, und ist bei dem Neubau auf Vergrößerung der Seelenzahl vollständig Rücksicht genommen, indem die neue Synagoge 98 Männer- und 70 Frauenplätze aufweist, und außerdem noch entsprechender Raum für Kinderplätze verbleibt."

Die Größe des Hauptraumes, also die Männersynagoge, betrug 10,3 mal 10,8 Meter. Darüber befanden sich die Frauenplätze auf einer umlaufenden Empore, die über ein Treppenhaus zu erreichen war. Ihr besonderes Aussehen erhielt die Synagoge durch "16 Fensterin morgenländischem Baustil, nebst 3 Rundfenstern mit bunten verzierten Gläsern", wie es in den Erläuterungen des Architekten heißt. Ausdrücklich wurde in der Baubeschreibung darauf hingewiesen, dass die Ausführung in Sandstein aus Kostengründen geschieht, da ein Sandsteinbruch ganz in der Nähe vorhanden sei. Die vom Planer berechneten Baukosten beliefen sich auf 12.400 Mark.

Schon zwei Monate später, am 19. März 1883, prüfte ein Bauausschuß der jüdischen Gemeinde die Angebote der anwesenden Bauunternehmer Julius Noll aus Hersfeld, H.B. Schlotzhauer aus Philippsthal, O. Herr und E. Scheich aus Eiterfeld-Arzell und Georg Herrmann aus Heimboldshausen und führte folgenden Beschluß herbei:

"Wir sind bereit, dem Bauunternehmer H.O. Schlotzhauer von Philippsthal den Zuschlag im Betrage von Elftausend und Fünfhundert Mark unter der Bedingung zu erteilen, dass der gn. Unternehmer bei Ausführung des Neubaues die im Orte Schenklengsfeld wohnenden Handwerker berücksichtigen zu wollen."

Die Auftragsvergabe an den Unternehmer Schlotzhauer umfasste sämtliche Materiallieferungen und Handwerkerarbeiten bis zur vollständigen Fertigstellung der neuen Synagoge. Da die alte Fachwerk-Synagoge zuvor abgerissen werden mußte, hat die Gemeinde während der Bauzeit ihre Schule am Marktplatz für den Gottesdienst genutzt. In knapp acht Monaten war der Neubau vollendet, so dass am 15 November 1883 die feierliche Einweihung in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste vorgenommen werden konnte.



Lageplan der alten und neuen Synagoge (Klick auf´s Bild)


Das "Programm für die Synagogenweihe" sah folgenden Ablauf vor:

"Mittags 12:30 Uhr Abschiedsgottesdienst in dem seither innegahabten Betlokal. Die in demselben befindlichen drei Thora-Rollen werden von dem Rabbiner mit der versammelten Gemeinde unter dem Baldachin geleitet. Mittags 1 Uhr Aufstellung des Festzuges in der Nähe des israelitischen Schulhauses in folgender Ordnung:

1. Fahnenträger mit 2 Begleitern
2. Schulkinder, die Knaben mit Fähnchen, die Mädchen mit Kränzchen versehen
3. Musikcorps
4. Schlüsselträgerin begleitet von 2 Mädchen
5. Baldachin mit den heiligen Thora-Rollen
6. Rabbiner, Sr. Ehrwürden Herr Dr. Cahn
7. Ehrengäste
8. Männer
9. Jünglinge
10. Frauen
11. Jungfrauen
12. Fahnenträger mit 2 Begleitern

Der Festzug geht die Hauptstraße nach dem Hause des Mendel Löwenberg und nimmt die übrigen Thora-Rollen auf und geht dann zur neuen Synagoge hin."

Über die Feierlichkeiten berichtete am 24. November 1883 auch das "Hersfelder Intelligenz- und Anzeigenblatt" in einem längeren Artikel.
Die neue Synagoge besaß an der Westseite ein größeres Eingangs- bzw. Treppenhaus. Von hier konnten die Männer ebenerdig ihre Synagoge betreten. Die Frauen gelangten über ein abgetrenntes Treppenhaus auf die Empore, die sich zur Ostseite hin öffnete. Die Inneneinrichtungen und die Frauen-Empore waren in Holz ausgeführt. In der Mitte der Ostseite konnte man über drei halbrund angeordnete Stufen den Thora-Schrank erreichen, der in einer tiefen Nische der Mauer eingebaut war. Die sechseckige Bima (auch Almemor genannt) mit dem Vorlesetischstand leicht erhöht in der Mitte des Raumes. In den ersten Jahrzehnten wurde die Synagoge mit den damals üblichen Öl- bzw. Kerzenlampen ausgeleuchtet, erst nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Schenklengsfeld elektrisches Licht.

 

Zur Zeit nationalsozialistischen Herrschaft in der Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, kam es zu Sachbeschädigungen an der Synagoge. Seit 1938 haben die noch anwesenden Juden ihre Gottesdienste nicht mehr in der Synagoge, sondern in einem Privathaus gehalten. In der "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 gab es zwar eine Demonstration an der Synagoge, doch wurde sie wegen der Feuergefahr für die nahestehenden Wirtschaftsgebäude der Nachbarn nicht in Brand gesteckt. Auf Betreiben der "NS-Ortsführung" mußte die Synagoge Ende Februar 1939 abgerissen werden.

Quelle: Bericht von Karl Honikel aus dem Buch "Geschichte der jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld" von 1988