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Sitte und Brauchtum

 



Die Spinnstube
Die Spinnstube ("Spennstuh") war bis vor etwa 30 Jahren der Treffpunkt junger Leute an den langen Winterabenden. Nachdem die Ernte eingebracht war und alle Feldarbeiten erledigt waren, begannen die Frauen und Mädchen mit dem Spinnenspinnerinnen, Stricken und anderen Handarbeiten. Da das eintönige Summen des Spinnrades einen Menschen leicht ermüdete, fand man sich zum geselligen Beisammensein in der Spinnstube ein. So kamen gleichaltrige Mädchen oder Burschen, die zusammen konfiermiert worden waren, jeden Abend - außer Samstag - bei einem anderen Mädchen zusammen. Die jeweilige Gastgeberin musste dann für ihre Freundinnen Kuchen backen und Kaffee kochen. Eine Mädchen oder Burschengruppe nannte man "Rotte" ("Rott"). Ihr gehörte man bis zur Heirat an.
Gegen 19 Uhr trafen sich die Mädchen mit ihren Spinnrädern oder dem Strickzeug und begannen mit der Arbeit. Die Burschen fanden sich dann erst gegen 20 Uhr ein. Sie spielten Karten und neckten die Mädchen beim Spinnen. Neuigkeiten wurden ausgetauscht und ausreichend besprochen und auch manches alte Volkslied erklang, besonders dann, wenn einer der Burschen eine "Ziehroerdel" (Schifferklavier) oder etwa eine Zither bei sich hatte.
An den Werktagabenden mussten die Mädchen beim Spinnen oder Stricken schon etwas vor sich bringen, weil sie oft für ihre "Herrschaft" diese Arbeiten erledigten und auch, weil die Mutter streng darauf achtete, dass in der Spinnstube nicht nur dem Vergnügen nachgegangen wurde. Nur der Sonntag war ausschließlich der Geselligkeit gewidmet, den Liedern, Pfänderspielen und anderer Kurzweil. Gegen 22 Uhr oder manchmal, wenn es besonders lustig zuging, auch etwas später, ging die "Rott" auseinander.
Trotz verschiedener Anstrengungen der Regierung die Spinnstuben zu verbieten, wurde dieser alte Brauch noch weiter gepflegt, aber der allmähliche Untergang ließ sich wegen des verstärkten Angebotes anderer Vergnügungen an den Wochentagen nicht verhindern.



Die "Landecker Tracht"
kommt aus etwa zwanzig Dörfern rund um den Landecker - einen 511 m hohen Muschelkalkrücken im östlichen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Zu festlichen Anlässen, wie z.B. Kindtaufe oder Hochzeit, legen die Frauen und Mädchen das dreiteilige "Schniergut" (Schürhaupt) an, den aus bunten Glaskugeln, künstlichen Blumen, aus Metall gestanzten Symbolen und aus roten Seidenbändern gefertigten Kopfputz.
Für den knöchellangen, dunklen Trachtenrock werden 4 m Tuch oder beiderwand benötigt. Die reiche Fältelung in der Hüfte endet unter der Schürze, wo auch aus Sparsamkeitsgründen minderwertiger Stoff eingestzt ist.
Die kurze Jacke der Männertracht ist durch Originalmuster und Darstellungen auf alten Grabsteinen belegt.
Weitere Informationen bei: TVG Schenklengsfeld