Ölmühle Georg Weitz

Ölmühle, Wäscherei und Pferdebesamungs-Station Georg Weitz

Eheleute Weitz mit Tochter Gerda und Steinmetz Ernst Schlotzhauer

Der vielseitige Unternehmer Georg Weitz stammte aus Hillardtshausen. Bevor er sich in unserer Gemeinde niederließ, kaufte er ein Rittergut in Ottersbach am Herzberg. 1935 erwarb er hier in Schenklengsfeld Getreidehandlung und Wohnhaus ( siehe Kreis) von Bernhard Löwenberg * (heute befindet sich dort die Firma Landmaschinen Schäfer).

Im Gebäude der Getreidehandlung richtete er eine Ölmühle ein. Raps, Bucheckern, Mohn und Leinsamen wurden dort zu Öl gepresst. Eingesammelt wurden die Kerne und Körner von den Bauern der umliegenden Dörfer mit einen LKW der Marke Adler. Aus drei Kilogramm Raps konnte etwa 1 Liter Öl gewonnen werden. Die gewonnenen Pflanzenöle dienten für Beleuchtungszwecke, als Schmiermittel, für Heilmittel und Seifen. Angetrieben wurden die Ölpressen mit einer Dampfmaschine.

Letztendlich gründete er eine Deckstation für Dillenburger Kaltblüter. Doch die Rolle der Deckanstalten wurde bereits in den 1960er Jahren in Frage gestellt. Wegen der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft war die wirtschaftliche Notwendigkeit für hochwertige Pferde nicht mehr gegeben. Kaltblutpferde werden heute noch in der Forstwirtschaft, zum Beispiel als Rückepferde, eingesetzt, wenn die Nutzung schwerer Maschinen nicht möglich oder nicht erwünscht ist.

* Bernhard Löwenberg führte ein Geschäft mit Getreide-, Futter- und Düngemittel. Sein Schwiegervater war der Viehhändler Jakob Plaut. Sein Haus wurde „Gumbels“ genannt, nach dem Vater von Jakob Plaut. Bernhard Löwenberg wurde im November 1938 verhaftet und für mehrere Wochen ins KZ Buchenwald eingeliefert. Mitte 1939 zog das Ehepaar mit Tochter Bertha nach Fulda und Frankfurt.Tochter Bertha konnte nach Palästina emigrieren. Bernhard und seine Ehefrau Emma wurden nach Auschwitz deportiert wo sie 1944 starben.