Herwig´s Schmiede

Herwig´s Schmiede

(Bei Schmiedemeister Heinrich Herwig wird ein Pferd beschlagen. Die Schmiede befand sich an der Ringbachbrücke, gegenüber dem heutigen Radfahrer- Pavillon, in der Hersfelder Straße.) Das Bild von 1946 zeigt Heinrich Rüger (links) und Georg Bolzt (rechts)

Der Dorfschmied
Ausgabe 2 / 1970 von „Hit es dos ei ganz anner Ziet“ beschäftigt sich mit der Arbeit des Dorfschmieds, dessen Beruf neben dem des Wagners früher zu den wichtigsten in jedem Dorf gehörte. Auch er ist durch die zunehmende Technisierung in der Landwirtschaft so gut wie ausgestorben. Um mit Daten und Informationen aus erster Hand versorgt zu sein, haben sich die Vertreter der TVG ausgiebig mit dem Schmiedemeister Heinrich Herwig aus Schenklengsfeld unterhalten.

Unser „Dorfschmied“ wurde im Jahre 1899 geboren und erlernte sein Handwerk in der Schmiede seines Vaters, die er bei dessen Tod auch übernahm. Im Jahre 1916 legte er in Bad Hersfeld seine Gesellenprüfung und bereits 1921 seine Meisterprüfung ab. Im Durchschnitt hatte der Betrieb 3 Beschäftigte, und im Laufe der Zeit wurden 10 Lehrlinge ausgebildet. Die Arbeit des Dorfschmiedes beschränkt sich heute auf das Schärfen von Pflugscharen und Eggen, sowie auf kleinere Reparaturarbeiten (Reparieren von Ketten).
Aus einem alten Hauptbuch können wir die wichtigsten Arbeiten der früheren Zeit entnehmen, und zwar handelt es sich dabei in der Hauptsache um:

  • Eisenarbeiten zum Bau von Ernte-, Acker-, Kutsch- und Handwagen
  • Beschlagen von Pferden und Kühen
  • Beschlagen und Binden von Rädern und Reifen
  • Schärfen von Pflugscharen und Ausstattung von Holzeggen mit Eisenzinken
  • Ausführung von verschiedenen Metallarbeiten und Reparaturen (Wetterfahnen,
    Pferde- und Kuhgeschirre, Türbeschläge, Futtermesser, Hacken usw.)

Zur Herstellung und Bearbeitung der Eisenteile beim Bau eines großen Leiterwagens benötigte man früher acht Tage zu je 10 bis 12 Arbeitsstunden. Der Preis für diese Arbeiten belief sich in jener Zeit (1914) auf etwa 35 Goldmark, das vollständige Beschlagen eines Pferdes kostete 2,60 Goldmark.
Während um 1900 noch der größte Teil der anfallenden Arbeit mit der Hand erledigt wurde, stattete man jedoch im Laufe der Zeit die Schmiede mit einzelnen Maschinen aus. So schaffte der Schmied verschiedene Bohrmaschinen, eine Stauch- und Stanzmaschine sowie einen Schleifstein und eine Biegemaschine an, die durch einen Elektromotor angetrieben wurden. An Handwerkzeugen benötigte man hauptsächlich verschiedene Hämmer und Zangen, einen Amboss, Dorne, Gesenke, Zirkel, Körner, Schraubenschlüssel und vor allem einen Blasebalg, zum kräftigen Anfachen des Schmiedefeuers.

Um eine der vielen Arbeiten des Dorfschmiedes etwas näher kennenzulernen, soll hier das Beschlagen eines Pferdes beschreiben werden: Wenn ein Pferd zum Beschlag gebracht wird, führt man es erst einmal auf dem Hof herum, um seine Gangart zu prüfen, die für die Bearbeitung des neuen Hufeisens wichtig ist. Ein Helfer, meistens der Kunde, nimmt das entsprechende Bein des Pferdes in seine Armbeuge und stützt es durch sein Knie ab. Nun beginnt die Arbeit des Schmiedes. Zunächst werden die alten Nägel aufgenietet, wird das alte Eisen abgenommen und geprüft, ob es reparaturfähig oder ob ein neues Eisen erforderlich ist. Bei Bedarf eines neuen Hufeisens schweißt man im Schmiedefeuer die Griffe auf ein Roheisen. Nachdem am Huf das nachgewachsene Horn entfernt (ausgewirkt) ist, gleichzeitig wird er mit der Raspel gekürzt, werden die Stollen am Eisen nach Maß des Hufes umgebogen und entsprechend der Gangart des Pferdes angeschmiedet.

Daraufhin macht der Schmied das Eisen glühend und passt es dem Huf des Pferdes an, so dass ein gleichmäßiges Aufliegen ermöglicht wird. Durch die Hitze beseitigen sich kleine Unebenheiten am Horn von selbst. Mit acht Nägeln schlägt man dann das Eisen vorsichtig auf und die herausstehenden Nägel um. Anschließend werden die Nägel so weit gekürzt, dass sie nur noch 4mm aus dem Huf herausragen. Die nun entstandenen Nieten werden unterfeilt, die Nietsitze mit dem Unterhauer (Hohlmeißel) etwas ausgehöhlt und die Nägel beigeschlagen. Jetzt schlägt der Schmied die Vorderkappe, die sich oberhalb des Griffes an der Zehenspitze befindet und zum besseren Halt des Hufeisens beiträgt, bei. Anschließend wird der Huf nur noch eingefettet und poliert. Nach kurzer Überprüfung des Auftretens kann das Pferd frisch beschlagen wieder seiner Arbeit als Zug- oder Reittier zugeführt werden.