Menü

Information

Das Amtshaus

  • Ein Gebäude mit sehr wechselvoller Geschichte

Dieses Gebäude ist herrschaftlich angelegt und von einem großen parkähnlichen Garten umgeben, der von beiden Straßenseiten durch eine hohe Mauer abgeschlossen, wodurch dasselbe schon äußerlich als etwas für sich allein Bestehendes von allem anderen Abgesondertes, gekennzeichnet ist. Es diente in Hessischen Zeiten als Sitz des Beamten, des Amtmanns, wie die damalige Bezeichnung lautete. Der Amtmann war der oberste Richter des Amtes und genoss damals eine hoch angesehene Stellung, ähnlich der eines Landrates. Das Besitztum desselben wurde daher auch von jedem Landecker mit einer gewissen frommen Scheu betrachtet, natürlich blieb bei der Rückständigkeit der allgemeinen Bildung nicht aus, dass man sich von allen möglichen Gespenstergeschichten, die in demselben vorkommen sollten, erzählte. Eine in dem Garten stehende Laube heißt „Landgrafenlaube“, was vermuten lässt, dass in früheren Jahren die Hessischen Landgrafen in dem Hause ein- und ausgegangen sind.

Die Orte, in welchen sich der Sitz des Amtmannes befand, waren von Bedeutung und erfreuten sich eines großen Ansehens. Dies übertrug sich sogar auf die Bewohner eines solchen Amtsbezirkes. Man brauchte die bereits erwähnte Bezeichnung „Ämter“ vielfach als Ausdruck des Neides und wollte damit sagen, dass die „Landecker“ einen unberechtigten Stolz besäßen. 1912 - Amtmann Beier mit seiner Familie vor dem Amtshaus 21 In dem Amtshaus war auch längere Jahre hindurch die Renterei untergebracht und heute noch wird es von alten Leuten oft nach dieser benannt. Die Landbewohner aus dem weiten Umkreis begaben sich dorthin, um ihre Abgaben, die früher nur in Naturalienlieferungen, Frucht usw., bestanden, zu entrichten....

Etwa ab 1900 diente das umfangreiche Besitztum dem Amtsrichter als Dienstwohnung, es enthält ungefähr 12 Wohnräume. In der Umfassungsmauer (Richtung Oberlengsfeld) befindet sich ein Stein mit der Jahreszahl 1686, die jedenfalls das Baujahr bedeuten soll. Es stammen noch verschiedene Häuser aus dieser Zeit, was darauf schließen lässt, dass man die im 30-jährigen Krieg (1618-1648) zerstörten Häuser wieder nach und nach aufzubauen begann, so ist zum Beispiel Göbels Haus „im schwarzen Grund“ im Jahre 1669 erbaut.
In dem ältesten Staats- und Adresskalender vom Jahre 1765 ist in Schenklengsfeld noch keine Renterei verzeichnet, wir finden dort folgende Beamte des Amtes Landeck aufgeführt:
Schenklengsfeld:
Amtmann: Peter Schmitt,
Prediger: Johann Heinrich Raßmann,
Oberförster: Johann Jacob Lampmann,
Forst-Adjunkt: Johann Justus Lampmann,
Accise-Zöllner: Johann Heinrich Schneider.
Landsknecht und Zollbereiter: Johann Valentin Scheidler.
Physikus: (Kreisarzt in Vacha).
Unterweisenborn: Zöllner: Johann George Stange
Ransbach: Zöllner: Johann Küchenmeister
Ausbach: Zöllner: Adam Vollmar
Motzfeld: Zöllner: Christoph Dies
Hilmes: Prediger: J. H. Schütrumpf

Die Oberförsterei, welche in Gumpels Haus, jetziger Besitzer Jacob Plaut, untergebracht war, scheint im Jahre 1778 eingegangen zu sein, denn von da ab ist nur noch ein Förster im Staatshandbuch verzeichnet. Im Jahre 1785 sind folgende Beamte in demselben aufgeführt:
Amtmann: Giesler in Schenklengsfeld, Amtspachter, Amtmann: Amelung in Friedewald, für die Renterei Amtsassessor: Martin in Vacha. Prediger: J.H. Raßmann und Adam Mort in Schenklengsfeld. Advokat und Procurator: Schmitt in Schenklengsfeld. Licent-Aufseher: Cyracius Kirschner in Schenklengsfeld. Förster: Wetterstein in Schenklengsfeld. Landsknecht und Zollbereiter: J.F. Heyer in Schenklengsfeld. Amtsbote: Adam Schüler in Schenklengsfeld. Schulmeister: Kantor Rosenstock in Schenklengsfeld. Prediger: Adam Mannel in Hilmes.




Nach Aufhebung der Oberförsterei wurde in dem bisherigen Amtshause ein Renterei eingerichtet, die jedoch vorläufig von Friedewald aus verwaltet wurde. Dem Amtmann wurde die bisherige Oberförsterei als Wohnung überwiesen. Vom Jahre 1786 bis 1796 wurde die Renterei von dem Rentmeister Johann Georg Reinhard in Vacha verwaltet. 1796 wurde dieser nach Schenklengsfeld versetzt und waltete hier noch bis zum Jahre 1825 seines Amtes. Von 1826 bis 1851 war Carl Friedrich Reinhard Rentmeister. Die Renterei, die bis zum Jahre 1851 in Schenklengsfeld bestand, wurde im Jahr 1852 nach Friedewald verlegt. Von dieser Zeit bis zum Jahre 1866 war Georg Henkel in Schenklengsfeld herrschaftlicher Steuererheber.
Der Fruchtschuppen, welcher die östliche Seite des Rentereihofes abschloss, diente in hessischen Zeiten zur Unterbringung der von den Bauern als „Zehnten“ abzuliefernden Frucht. Nachdem die Renterei in Schenklengsfeld eingegangen war, wurde der Schuppen abgebrochen und in Fürsteneck wieder aufgebaut, wo er heute noch zum Teil als Stallgebäude steht. In der Mauer, welche sich heute noch an der östlichen Seite der Renterei hinzieht, sind einige Öffnungen eingebaut, die Schießscharten ähnlich sind. Die Höhe (ungefähr 1,50 m über der Erde) und sonstige Abmessungen derselben lassen wohl kaum einen Zweifel aufkommen, dass sie diesen Zwecken dienen sollten. Die erwähnte Mauer bildete die Grundmauer des Fruchtschuppens. Der letzte hessische Fruchtmesser, Christian Schüler, ist in den 1880er Jahren gestorben. Das Justizamt war bis zum Jahre 1796 in Schenklengsfeld, dann wurde es nach Vacha verlegt, wo es bis zum Jahre 1815 verblieb. Vom Jahre 1807 bis 1813, während der Zeit, in der Hessen einen Teil des Königreiches Westfalen unter der Regierung des Königs Jerome bildete, erscheint in Hessen kein besonderer Staatskalender. Die Gemeinde Schenklengsfeld hatte an Stelle des Schultheiß einen MAIRE, an Stelle des Gemeinderates einen Munizipalrat. Schenklengsfeld war der Hauptort des Canton Landeck, Distrikt Hersfeld, Departement de Werra.

Im Jahre 1814, als die Hessen wieder Herr in ihrem Land waren, erschien wieder ein Staatskalender. Bei der Gründung des Staatenbundes kam die Stadt Vacha, die bis dahin zu Hessen gehört hatte, im Wiener Kongress (1816) zu dem zum Großherzohtum erhobenen Sachsen-Weimar-Eisenach. Das Justizamt für das Amt Landeck wurde daher von Vacha nach Schenklengsfeld und 1817 nach Kreuzberg (Philippsthal) verlegt, wo es bis 1819 blieb. In diesem Jahre erscheint zum ersten Mal im Staatskalender die Einwohnerzahl des Amtes Landeck. In den Jahren 1820 und 1821 finden wir das Justizamt wieder in Schenklengsfeld unter dem Vorsitz des Amtmanns v. Milch23 ling. Im Jahre 1822 wurden die Justizämter Schenklengsfeld und Friedewald zusammengelegt, der Sitz dieses gemeinsamen Justizamtes war Friedewald, doch schien dieses für die Dauer nicht durchführbar, und im Jahre 1833 bekam Schenklengsfeld wieder sein eigenes Justizamt.
In Friedewald waren im Jahre 1830 sieben Advokaten, in Hersfeld zwei, ein Zeichen, dass man damals in der Gegend recht viel prozessierte, denn in den 1880er Jahren waren in Hersfeld nur zwei Rechtsanwälte für sämtliche Amtsgerichte des Kreises. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass in den 1830er Jahren viel Prozesse wegen der fast erdrückenden Rechte der Lehnsgüter pp., die auf den Grundstücken lasteten, geführt werden mussten, so erklärt sich die verhältnismäßig hohe Zahl der Advokaten. Am 1. Januar 1836 wurde der „Zehnte“ abgelöst, für Schenklengsfeld betrug die Ablösesumme 2432 Thaler. Die erste Vermessung, Kartierung und Katasterierung der Gemarkungen des Amtes Landeck geschah schon in den Jahren 1705 bis 1718, womit gleichzeitig die Einschätzung zur Grund- und Gebäudesteuer verbunden war. Auszug aus: „Das Landecker Amt und seine Bewohner“ von Conrad Schüler 1914) Im Staats- und Adresskalender von 1588 ist ein Amtmann Meckbach verzeichnet: Johann Meckbach der Jüngere, ist 1524 in Geisa geboren, 1537 zu Marburg immatrikuliert, erscheint dann in Cassel 1546 als Schultheiß und wird dann 1558-92 Hersfeldischer und Hessischer Amtmann zu Landeck mit dem Wohnsitz in Schenklengsfeld. 1576 wird er als Hessischer Kammermeister bezeichnet. Er starb am 7. Oktober 1592 in Schenklengsfeld und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt.

Er war verheiratet (1549) mit Maria, der Tochter des Grünberger Rentmeisters Hermann Sinold genannt Schütz. Von den zehn Kindern des Johannes Meckbach des Jüngeren stehen wieder sechs in Beziehungen zum Hersfelder Raum. Johannes Balthasar ist seit dem 1. Oktober 1592 Hessischer Amtmann zu Landeck und damit Nachfolger seines Vaters.
Nachricht aus dem Kirchenbuch der Gemeinde Wildungen:
Johann Moritz Heller, Sohn des vorigen ist dahier geboren am 14.01.1768 hatte zu Paten Herrn Eitel Moritz Stracke und dessen Ehefrau Anna Barbara und ist im Jahre 1781 konfirmiert, verheiratete sich am Ostermontag, den 06.04.1801 zu Hilmes im Amte Landeck im Fürstentum Hersfeld als fürstlich Waldeckscher Brunnenkassierer und Accisen Erheber dahier, nachdem er allhier seit Pfingsten 1793 bis Ostern 1799 Mädchenschullehrer gewesen war und selbst abgedankt hatte, mit Christine Elisabeth Schmitt, weiland Johann Peters Schmitt‘s Lizenziat und gewesenen fürstlich Hessischen Amtmannes, des Amtes Landeck im Fürstentum Hersfeld, welcher zu Schenklengsfeld gewohnt hat, hinterlassener ehelicher Tochter.