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Das ehemalige Amtsgericht

 

Das Amtsgericht im Jahre 1935

... ein Ort früher nationalsozialistischer Umtriebe
Bis zur Agitation für das Volksbegehren zum „Freiheitsgesetz“ im Herbst 1929 war das Betätigungsfeld der Nationalsozialisten im Kreis Hersfeld auf das Landecker Amt beschränkt. In Schenklengsfeld, dem Hauptort dieses Amtes, war die 1925 gegründete NSDAP-Ortsgruppe eine Weiterführung des 1923 gegründeten Bundes Oberland.

Ihr Vorsitzender Walter Seidler hatte eine führende Position im agrarpolitischen Apparat der kurhessischen NSDAP. Ihre bis Anfang 1930 etwa 50 Mitglieder rekrutierten sich aus Schenklengsfeld und den benachbarten Gemeinden Wehrshausen, Hilmes, Oberlengsfeld, Wüstfeld, Konrode und Landershausen. Ein Zentrum nationalsozialistischer Agitation war das Amtsgericht in Schenklengsfeld, dessen Beamte und Angestellte sich offen zum Nationalsozialismus bekannten. Dem 1929 in den Kreistag gewählten Justizobersekretär Breitstedt mussten schließlich die Geschäfte als Amtsanwalt entzogen werden, nachdem er einen jüdischen Bürger öffentlich geohrfeigt hatte.
Wegen dieses Vergehens wurde der Beamte im Juni 1930 zu 50 RM Geldstrafe verurteilt (Körperverletzung in Tateinheit mit öffentlicher Beleidigung). Die Amtsenthebung Breitstedts hatte Protestresolutionen des Ortsbauernvereins und des Handwerksvereins sowie des Kreisbauernverbandsvorsitzenden zur Folge, in denen sich ein tief verwurzelter Antisemitismus äußerte: „Wir nehmen an, dass von jener jüdischen Seite darauf hingearbeitet wird, die Zustände herbeizuführen, wie sie unsere Väter und Großväter erlebt haben, die durch Wuchergeschäfte einer gewissen Volksschicht von Haus und Hof vertrieben worden sind.“
Das Amtsgericht wurde 1943 aufgelöst und nach Bad Hersfeld verlegt. Ab 1943 war eine Kompanie Soldaten im Amtsgericht untergebracht. 1945 zog die Bürgermeisterei, die seit 1939 im jüdischen Lehrerhaus untergebracht war, in das Gebäude. So wurde aus dem Amtsgericht das heutige Bürgermeisteramt....